ENDANGERED – Textile Taxidermie

ENDANGERED – Textile Taxidermie

Kurzbeschreibung:
Endangered ist eine Serie textiler „Präparate“, die das Aussterben der Artenvielfalt dokumentiert – bevor sie verschwunden ist. Mit Nadel, Faden und gefilzter Wolle rekonstruiere ich Tiere und kleine Lebewesen. Sie wirken kostbar, fast wie Schmuckstücke und mahnen zugleich ihren Verlust an.

Technik: Nadel- und Nassfilzen, Stickerei auf Seide, Wachs, Draht, Glas

Jahr: 2024 – ongoing

Haselmaus

Meine Haselmaus aus Schafwolle, getragen von einem feinen Drahtgeflecht, übersetzt ein geheimnisvolles Waldtier in tastbare Form. Die echte Haselmaus (Muscardinus avellanarius) lebt verborgen in Hecken, Gebüschen und lichten Wäldern. Sie ist nachtaktiv, klettert geschickt durch zusammenhängende Strauchschichten, baut kugelige Sommernester aus Gräsern und Blättern und hält ihren Winterschlaf bodennah in einem sicherem Versteck. Als „Zeigerart“ steht sie für artenreiche, vernetzte Landschaften: Wo Hecken, Säume und Alt- bzw. Jungwuchs ineinandergreifen, fühlt sie sich wohl.

Ihr Bestand leidet unter der Zerstückelung von Lebensräumen, intensiver Pflege von Wegrändern und dem Verlust blüten- und fruchtreicher Straucharten. Die Haselmaus ist in Europa streng geschützt (FFH-Richtlinie) und hat damit besondere Bedeutung im Naturschutz. Erhalten wir Hecken, pflanzen wir heimische Sträucher wie Hasel, Brombeere oder Schlehe und lassen wir Übergangszonen „unaufgeräumt“, sichern wir Nahrung, Deckung und Wanderrouten. Vielleicht findest du dann auch bald eine Haselmaus in deiner Nachbarschaft wieder.

Details zum Werk

Material: Schafwolle, Draht

Entstehungsjahr: 2023

Technik: Nadelfilzen, Drahtfigur bauen

 

Europäische Sumpfschildkröte

Diese Sumpfschildkröte besteht ausschließlich aus Schafwolle und zwei Glasaugen – ohne Drahtkern. Die weichen, dichten Fasern bilden Panzerstruktur, Kopf und Gliedmaßen als sanfte, organische Formen nach. So bleibt die Materialität sichtbar und spürbar: handgemachte Naturkunst mit haptischer Tiefe.

Die Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) bewohnt stille Gewässer mit Schilf-, Röhricht- und Uferzonen. Sie braucht sonnige Liegeplätze, fisch- und insektenreiche Lebensräume sowie sandig-warme Eiablageflächen. Lebensraumverlust, Uferverbau und Störung setzen der Art zu; sie ist streng geschützt. Das Filzwerk macht auf die Bedeutung naturnaher Gewässer, Verbindungen zwischen Tümpeln und das Belassen von Sonnen- und Nistplätzen aufmerksam.

Die skulpturale Reduktion verweist auf das Wesentliche: Ruhe, Wärme und Schutzräume, die Amphibien und Reptilien zum Überleben benötigen.

Details zum Werk

Material: Schafwolle, Glas

Entstehungsjahr: 2024

Technik: Nadelfilzen

 

Weinbergschnecke

Meine Weinbergschnecke, geformt aus weicher Schafwolle und gestützt durch feinen Draht, verkörpert die Ästhetik der Entschleunigung. Ihr Haus, Spirale für Spirale aufgebaut, ist Schutz und Last zugleich. Die echte Weinbergschnecke (Helix pomatia) ist ein Meister der Anpassung: Sie trägt ihr Kalkgehäuse ein Leben lang mit sich, repariert Risse selbstständig und verschließt es im Winter mit einem festen Kalkdeckel, um monatelang in der Erde zu ruhen.

Als Zwitterwesen steht sie für biologische Vielfalt jenseits starrer Kategorien. Sie liebt kalkreiche, lichte Böden, Gebüsche und offene Hänge – Lebensräume, die oft der intensiven Landwirtschaft zum Opfer fallen. Ihr Schleim ist nicht nur Fortbewegungsmittel, sondern Schutz vor Verletzung, ein Wunderwerk der Naturchemie.
Ihr Bestand leidet unter dem Einsatz von Pestiziden (Schneckenkorn), der Zerstörung von Brachflächen und dem Absammeln für den Verzehr. In vielen Ländern steht sie unter Naturschutz. Wenn wir „wilde Ecken“ im Garten zulassen, auf Gift verzichten und Steinhaufen als Unterschlupf anbieten, geben wir diesem urzeitlichen Weichtier eine Zukunft. Sie lehrt uns, dass ein langsames Tempo nicht Schwäche, sondern Überlebensstrategie ist.

Details zum Werk:

Material: Schafwolle, Draht

Entstehungsjahr: 2024

Technik: Nadelfilzen, Drahtstruktur

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